Kraftwerkskapazitäten müssen genutzt werden, um die Gasmangellage nicht weiter zu verschärfen und die Lage am Strom- und Gasmarkt zu entspannen. Allein im August wurden 2.000 GWh Erdgas mehr verstromt als im Vorjahresmonat.

Berlin, 07.09.2022. Nach internen Berechnungen des VIK Verband der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft, könnte die Verstromung von Erdgas durch eine intensivere Nutzung der bestehenden Kohlekraftwerke deutlich reduziert werden.

Im August hat sich die Stromerzeugung aus Erdgas gegenüber dem Vormonat deutlich erhöht. Im Vergleich zum Vorjahresmonat liegt die Erzeugung sogar nahezu auf einem doppelt so hohen Niveau. Damit wurden allein im August über 2.000 GWh mehr Erdgas verstromt als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

„Wenn wir die Gasmangellage nicht weiter verschärfen wollen, muss nun alles darangesetzt werden, die jeweiligen Gründe für die zu schwache Auslastung der Kohlestromkapazitäten zu ermitteln und möglichst zu beseitigen“, sagt Christian Seyfert, Hauptgeschäftsführer beim VIK Verband der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft. „Kurzfristig kann neben Einsparungen nur die Ausweitung des Stromangebots aus anderen Quellen einer Verschärfung der Gasmangellage entgegenwirken und gleichzeitig zu einer preislichen Entspannung auf dem Strommarkt führen“, fährt Seyfert fort.

Die Stromerzeugung aus Steinkohle lag im vergangenen Monat zwar über der des Vorjahresmonats, jedoch liegen diese Werte immer noch deutlich unter den bereits in diesem Jahr erreichten, aus Kohle produzierten, Strommengen. Aus den Zahlen der Bundesnetzagentur BNetzA wird deutlich, dass Steinkohlekraftwerke in der Netzreserve deutlich weniger Strom in das Netz einspeisen, als es ihre Kapazität ermöglichen würde.

Der VIK fordert hier schon seit langem mehr Planungssicherheit für die Kraftwerksbetreiber, um auch jene dazu zu bewegen am Markt teilzunehmen, die sich aktuell noch in der Reserve befinden. „Dass es möglich ist, deutlich mehr aus Erdgas erzeugten Strom durch Steinkohlekraftwerke zu ersetzen, haben unsere Berechnungen deutlich gezeigt“, versichert Seyfert.

Darüber hinaus geht aus den Zahlen des letzten Monats hervor, dass die Industrie weitere massive Einsparungen beim Erdgasverbrauch vorgenommen hat. Der monatliche industrielle und gewerbliche Verbrauch (ohne Gaskraftwerke) liegt nach Daten der Bundesnetzagentur auf dem niedrigsten Stand dieses Jahres. Auch wenn Einsparungen erfreulich scheinen, so darf hierbei nicht übersehen werden, welche Auswirkungen diese auf die Unternehmen und Lieferketten haben. Insbesondere in der Industrie bedeuten Einsparungen beim Erdgasbrauch in der Regel auch eine deutliche Drosselung der Produktion. Wie ernst die Situation ist, machen die letzten Meldungen von Produktionseinstellungen und Insolvenzmeldungen seitens erster Unternehmen deutlich.