Deutschland braucht eine CO2-Strategie!

Berlin, 18.05.2022. VIK, MAN Energy Solutions, Air Liquide und Covestro appellieren an die Politik: Technologien zur Abscheidung und Nutzung von CO2 sind wichtiger Erfolgsfaktor zum Gelingen der Energiewende

Technologien zur Abscheidung, Speicherung und Nutzung von CO2 sind perspektivisch unverzichtbar für die Energiewende und den deutschen Wirtschaftsstandort. Darauf haben der Verband der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft (VIK) sowie die Unternehmen MAN Energy Solutions, Air Liquide und Covestro mit einem Parlamentarischen Abend am Berliner Standort von MAN Energy Solutions hingewiesen.

Das Unternehmen produziert in Berlin unter anderem Kompressoren zur Verdichtung von CO2, das über sog. CCU/S-Anlagen (Carbon Capture, Utilisation and Storage) eingefangen wird. Bei dem Verfahren wird das in industriellen Prozessen entstehende CO2 abgeschieden und aufgefangen, ehe es in die Atmosphäre entweichen kann und anschließend entweder gespeichert oder weiter verwendet. Auf diesem Weg lassen sich sog. ‚unvermeidbare Restemissionen‘ eliminieren, die durch Elektrifizierung oder den Einsatz klimaneutraler Kraftstoffe nicht verhindert oder ersetzt werden können.

Bettina Stark-Watzinger, Bundesministerin für Bildung und Forschung, sagte in ihrem Grußwort: „Deutschland soll bis 2045 klimaneutral werden und das erfordert eine umfassende Transformation. Wir werden langfristig aber nicht alle Emissionen vermeiden können und deswegen brauchen wir Technologien, um CO2 zu speichern und bestenfalls zu nutzen. Unsere Leitlinie ist Innovationen statt Verzicht und wer das ernst meint, muss auch bei CCU/S konsequent sein. Wir wollen die Technologie nun aus dem Labor in die Praxis bringen.“

„Rund 30 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen gelten als ‚unvermeidbar‘“, erklärte Dr. Uwe Lauber, CEO von MAN Energy Solutions. „Für zahlreiche Branchen dieses ‚hard to abate‘-Sektors sind CCU/S-Technologien die unverzichtbare Voraussetzung, um erfolgreich am weltwirtschaftlichen ‚Net Zero’ Ziel mitzuarbeiten. Dazu zählen unter anderem Grundstoffindustrien wie die Zement- und Chemieindustrie. Zudem wird gerne übersehen, dass CO2 auch als Rohstoff eine nicht unbedeutende Rolle spielt. In der Zukunft brauchen wir eine Art Pfandsystem für CO2, eine Kreislaufwirtschaft, die die Abscheidung, anschließende Nutzung und erneute Abscheidung sicherstellt. All das ist im Zuge einer deutschen und europäischen CO2-Strategie zu diskutieren und zu berücksichtigen.“

Ähnlich wie der Einstieg in die Wasserstoffwirtschaft erfordert die Entwicklung und Umsetzung einer solchen CO2-Strategie politischen Willen und einen regulatorischen Rahmen. Dieser muss schnell, technologieoffen und umfassend aktualisiert werden, um mittel- und langfristig Planungs- und Rechtssicherheit zu schaffen. Um die besten Ergebnisse zu erzielen, sollten der regulatorische Rahmen in Deutschland und die dazu gehörige Infrastruktur mit den be- bzw. entstehenden Erdgas- und Wasserstoffinfrastrukturen konzeptionell zusammen entwickelt werden. Dies erfordert auch entsprechende Reformen im Netzentwicklungsplan, dem CCS-Gesetz und dem EnWG (Energiewirtschaftsgesetz).

Gilles Le Van, Vorstandsvorsitzender des VIK, fügte hinzu: „Die Kombination aus der Technologieführerschaft des deutschen Maschinen- und Anlagenbaus und der vielfältigen Industriedichte bietet gute Voraussetzungen, um Deutschland als Leitmarkt für CO2-Abscheidetechnologien und zugleich als Klimachampion und Vorreiter bei innovativen CO2-Kreisläufen und der Reduktion von Prozessemissionen zu positionieren.“

Erste großtechnische CO2-Abscheideanlage entsteht in Norwegen

HeidelbergCement realisiert derzeit im norwegischen Brevik die weltweit erste großtechnische CO2-Abscheideanlage der Zementindustrie, mit deren Hilfe sich die Emissionen des Zementwerks um rund 50 Prozent (oder 400.000 t CO2 p.a.) reduzieren lassen. Der abgeschiedene Kohlenstoff wird mit den Technologien der Kooperationspartner Aker Carbon Capture und MAN Energy Solutions komprimiert, verflüssigt und im Anschluss mittels Schiffen zu einem unterirdischen Speicherort transportiert und dort gelagert.

„Das Projekt für HeidelbergCement in Brevik ist eine erfolgreiche Pionierarbeit im Bereich der CCU/S-Technologie und zeigt, dass diese Lösungen schon heute ausgereift sind“, kommentierte Uwe Lauber. „Wir müssen CCU/S-Technologien nun auch zügig in industrieller Größenordnung in Deutschland zum Einsatz bringen. So können wichtige Betriebserfahrungen gewonnen und vor allem Skaleneffekte erzielt werden, die zu Kostensenkungen und Wettbewerbsvorteilen führen und letztlich auch Industriearbeitsplätze sichern und schaffen.“