Deutschlands Strompreise doppelt so hoch wie in den USA

Mit 25 bis 50 Prozent niedrigeren Strompreisen gegenüber Deutschland können Unternehmen in Frankreich, China, Italien oder USA kalkulieren, so die Ergebnisse eine Verbandsumfrage(1) des VIK, der Interessenvertretung industrieller und gewerblicher Energiekunden. „Der internationale Strompreisunterschied zu Lasten des absoluten Hochpreisstandorts Deutschland gefährdet zunehmend Produktionsstandorte. Vorneweg Energiekostennachteile von z.B. 130 bis 260 Euro pro Tonne(2) erzeugtem Primär-Aluminium bei einem Produktpreis von 1600 Euro/Tonne lassen sich kaum ausgleichen und die anstehende EEG-Erhöhung könnte die Strompreisschere für einige Unternehmen um weitere 20 Prozent aufgehen lassen. Diese Realität vor Augen, sollte sich jede Diskussion um eine angebliche Bevorzugung der Industrie bei den nationalen Energiepreisbelastungen erledigen. Im Gegenteil, wir brauchen in der Energiewende einen Konsens, der es auch energiekostenanfälligen Produktionen, etwa in der Grundstoffproduktion, ermöglicht, hier am Standort weiter zu bestehen und die wichtigen Wertschöpfungsketten in Gänze am Standort zu halten“, so Dr. Annette Loske Hauptgeschäftsführerin des VIK.

Neben den hausgemachten Energiepreissteigerungen machen es Preissenkungen aufgrund massenhaft verfügbaren Shale Gases in den USA den hiesigen Standorten schwer. Der Gaspreis ist dort mittlerweile so niedrig, dass die dortige Regierung dies als Chance für die Reindustrialisierung der USA sieht.

Damit steigt der Druck der weltweiten Konkurrenz auf Deutschland. In der Regel führt dies zwar nicht zu medial Aufsehen erregenden Standortschließungen, allerdings zu Investitionsverlagerungen an ausländische Standorte. Nach und nach verlieren Standorte hierzulande so langsam Produktionskapazität und Bedeutung, bis es irgendwann gar nicht mehr zu Aufsehen erregenden Schließungen kommen kann, weil sich einstmals starke Unternehmen in diesem Prozess zu drittklassigen Standorten entwickelt haben.

Es stehen direkt 900.000 deutsche Arbeitsplätze in energieintensiven Unternehmen auf des Messers Schneide und darüber hinaus noch etwa 2.200.000 Arbeitsplätze in der Zulieferindustrien. Vor diesem Hintergrund erwartet der VIK von der Politik eine Energiewendegestaltung, die diesen Standort gefährdenden Randbedingungen durch angemessenes Gegensteuern Rechnung trägt.

1) Ergebnisse einer nicht repräsentativen VIK-Umfrage unter seinen Mitgliedern

2) Rechnung: 13 MWh Strombedarf zur Erzeugung einer Tonne Primäraluminium, Annahme Strompreis in Deutschland inkl. aller möglicher Energiepreis senkender Faktoren 40 Euro/Tonne. Es ergeben sich so Stromkosten von 520 Euro/Tonne Aluminium. Energiekosten in USA und China 50 bis 75 Prozent des deutschen Niveaus.