Energiewende: Strompreissteigerungen durch Kernenergieausstieg dürfen nicht bei der Industrie ankommen

Die Kanzlerin versichert der energieintensiven Industrie: „Ihre Sorgen werden ernst genommen! Wir wollen Sie auf diesem Weg (in die regenerative Energieversorgung) auf keinen Fall verlieren!“ Eine wichtige und richtige Botschaft! Dennoch: die Energiewende birgt enorme Gefahren für die energieintensiven Unternehmen, so der VIK, die Interessenvertretung dieser Unternehmen. Und noch ringt die Politik in Berlin damit, die richtige Schrittlänge auf dem Weg zu finden. Der Botschaft der Kanzlerin – für die ihr Respekt gebührt – müssen nun aber auch wirksame Taten folgen. Bei Lippenbekenntnissen darf es also nicht bleiben! Die energieintensiven Unternehmen brauchen sehr bald konkrete Vorschläge, Schritte und Maßnahmen, die Zukunftsinvestitionen an deutschen Standorten wieder ermöglichen!

Eine erste gute Botschaft in diese Richtung war sicher, dass die Bundesregierung in Brüssel die Kompensation der CO2-Preis bedingten Strommehrkosten für stromintensive Unternehmen unterstützt und damit ab 2013 zu einer echten Stärkung der Wettbewerbssituation beigetragen hat. Dabei geht es darum, in der EU anfallende CO2-Preiseffekte gegenüber den Nicht-EU-Ländern auszugleichen. Aber bis zur Realisierung dieser Kompensation sind bei weitem noch nicht alle Hürden genommen; insbesondere die Zustimmung der Brüsseler Kommission dürfte noch ein hartes Stück Überzeugungsarbeit sein. Derweil bleiben diese Wettbewerbsnachteile weiter in vollem Maße bestehen. Und jetzt drohen auch noch die Zusatzeffekte des national initiierten Kernenergieausstiegs, und damit neue und zusätzliche Belastungen, die ohne Zweifel bei allen Verbrauchern – bei der Industrie aber am schnellsten und direktesten – auf die Stromrechnung durchschlagen werden. Die Ethikkommission etwa hält Strompreissteigerungen in einer Bandbreite bis zu 50 Euro/MWh für möglich.

Was bedeuten 50 Euro/MWh zusätzlich für die Unternehmen oder einen drei Personenhaushalt? Vier Beispiele:

Kleiner industrieller Stromkunde: 2.500.000 Euro/Jahr.
(z.B. kleine Papierproduktion, 50 GWh Strom/Jahr)
Mittlerer industrieller Stromkunde, Preisanstieg: 15.000.000 Euro/Jahr.
(z.B. Stahlverarbeitung, 300 GWh Strom/Jahr)
Großer industrieller Stromkunde, Preisanstieg: 50.000.000 Euro/Jahr.
(z.B. Grundstoffchemie, 1.000 GWh Strom/Jahr)
Drei Personen Haushalt; Preisanstieg: 225 Euro/Jahr
(Strombedarf 4500 kWh Strom/Jahr)

Diese Strompreissteigerungen folgen zwingend aus der Kernkraft-Lücke, die in der Stromerzeugung erst noch geschlossen werden muss. Es muss der Politik mit dem kommenden Energiekonzept außerdem gelingen, nachhaltig Vertrauen in einen soliden Umbau der Energieversorgung in Richtung regenerativer Energien zu schaffen. „Der Motor für finanzielle Spielräume zur Durchsetzung der Energiewende, die Industrie – ohne den geht es nicht –, sollte vom Staat getuned und nicht gedrosselt werden. Strompreismodelle, die wettbewerbsfähige Preise ermöglichen, müssen deshalb gefunden werden!“, so Dr. Annette Loske, Hauptgeschäftsführerin des VIK.