Entwurf des Abschlussberichts der Ethikkommission – VIK: Es darf nicht egal sein, wie sich der Strompreis entwickelt!

Stromversorgung muss bis und auch nach 2021 starker Pfeiler des Industrie- und Exportlands Deutschland sein

Der Kernenergieausstieg darf die energieintensiven Unternehmen nicht überfordern. Bereits leichte Strompreissteigerungen können zum Aus für deutsche Standorte führen. Die Ethikkommission hält Strompreissteigerungen in einer Bandbreite von 1 bis 50 Euro/MWh für möglich. Das bedeutet faktisch eine Fastverdoppelung des Vor-Moratoriums-Strompreises. Konkret könnten sich 50 Euro/MWh zusätzlich für die Unternehmen und einen drei Personenhaushalt wie folgt auswirken: (Beispiele)

Kleiner industrieller Stromkunde: 2.500.000 Euro/Jahr.
(z.B. kleine Papierproduktion, 50 GWh Strom/Jahr)

Mittlerer industrieller Stromkunde, Preisanstieg: 15.000.000 Euro/Jahr.
(z.B. Stahlverarbeitung, 300 GWh Strom/Jahr)

Großer industrieller Stromkunde, Preisanstieg: 50.000.000 Euro/Jahr.
(z.B. Grundstoffchemie, 1.000 GWh Strom/Jahr)

Drei Personen Haushalt; Preisanstieg: 225 Euro/Jahr
(Strombedarf 4500 kWh Strom/Jahr)

Der beschleunigte Kernenergieausstieg wird kommen. Zu den politischen Beschlüssen sollten auch klare Entscheidungen für einen Ersatz der Leistungen dieser Kraftwerke durch effiziente, neue Kohle- und Gaskraftwerke gehören, die bedarfsgerecht wirklich sicheren Strom für den Industrie- und Exportstandort Deutschland liefern. „Das ist unter CO2-Aspekte und den daraus ebenfalls absehbaren Preissteigerungen keine angenehme Entscheidung. Dennoch ist sie im Falle des anstehenden schnellen Kernenergieausstiegs notwendig. Wer das verneint, handelt bestenfalls verantwortungslos“, so Dr. Annette Loske, Hauptgeschäftsführerin des VIK, der Interessenvertretung energieintensiver Unternehmen.

Die Strompreiserwartungen sind extrem unsicher, was Zukunftsinvestitionen an den ohnehin im internationalen Vergleich teuren deutschen Industriestandorten behindert. Es muss der Politik mit dem kommenden Energiekonzept gelingen, Vertrauen sowohl in einen soliden Umbau der Energieversorgung in Richtung regenerativer Energien, als auch in stabile Strompreise zu schaffen.

Sollte dies aber nicht gelingen, müsste auch über finanzielle Förderung fossiler Kraftwerke oder über Strompreis senkende Ersatzmaßnahmen für die energieintensiven Exportunternehmen nachgedacht werden. So erhalten wir uns die Chance auf einen auch zukünftig unter Energieaspekten wettbewerbsfähigen und vielfältigen Standort. Und sichern der Industrie, ohne deren Wohlstandsbeitrag wir das Mammutprojekt „Energiewende“ sicher nicht werden finanzieren können, den Weg durch die schwierige Übergangszeit bis ins wirtschaftliche regenerative Zeitalter.