VIK: Erfolgsmodell ETS nicht überstrapazieren – Sektorspezifische Ziele erfordern sektorspezifische CO2-Steuerungsinstrumente

Der VIK Verband der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft e.V. bewertet die Tatsache positiv, dass zu dem Thema CO2-Bepreisung eine tiefgreifende, fachlich fundierte Debatte geführt wird. „Nachdem lange Jahre über Energieeinsparungen diskutiert wurde, steht nun das eigentliche Ziel, die Einsparung von CO2, im Fokus. Die zahlreichen Studien, die in den letzten Wochen und Monaten hierzu erstellt wurden, verdeutlichen die Komplexität des Themas. In vielen wird deutlich: Das europäische Emissionshandelssystem (ETS) ist ein sehr wirkungsvolles Instrument: Industrie und Energiewirtschaft erreichen über dieses mengenbasierte System, das gerade erst in seiner Wirkungsweise verschärft worden ist, zielgenau die vereinbarten CO2-Reduktionen“, betont Barbara Minderjahn, Hauptgeschäftsführerin des VIK e.V.

Ein Erfolgsmodell wie das ETS lädt dazu ein, es auf die bisher noch nicht erfassten Sektoren Verkehr und Gebäude auszudehnen. Dabei muss jedoch im Blick behalten werden, dass die CO2-Vermeidungskosten in den Non-ETS-Sektoren um ein Vielfaches höher sind als in den ETS-Sektoren. So leidet die Industrie schon heute bei einem Preis von rund 25 Euro/t CO2 unter der Abgabenlast, während eine Lenkungswirkung für die Sektoren Verkehr und Gebäude erst bei 100-200 Euro/t CO2 beginnt. „Vereinfacht heißt das, dass der Autofahrer oder flugreisende Urlauber noch keinen Anreiz zur CO2-Einsparung spürt, wenn die Industrie in ihrer Wettbewerbsfähigkeit schon massiv getroffen ist“, erklärt Barbara Minderjahn. „Wichtig ist aber, dass in jedem Sektor die Potenziale gehoben werden, die vorhanden sind. Die Industrie kann die CO2-Einsparung aus anderen Sektoren wie Verkehr und Gebäude nicht noch mit übernehmen.“

Grundsätzlich sind marktwirtschaftliche und technologieoffene Instrumente vorzuziehen, allerdings müssen jegliche zusätzliche Bepreisungsinstrumente vor ihrer Einführung sorgfältig auf ihre Auswirkungen auf die anderen Sektoren überprüft werden. „Die Transformation zu einer klimaneutralen Gesellschaft birgt neben vielen Chancen auch Risiken“, so Barbara Minderjahn. „Diese gilt es im Vorfeld zu prüfen und in einem ganzheitlichen Gesamtkonzept mitzudenken.“