VIK: Steigende CO2-Zertifikatspreise erhöhen das Risiko von Carbon Leakage

Berlin, 10.09.2021. Der VIK Verband der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft ist über die seit Monaten steigenden Preise für die CO2-Zertifikate im europäischen Emissionshandel (EU-ETS) besorgt.

Die Unternehmen, die in Deutschland ihre Produktionsstätten haben, werden zudem nicht nur durch die steigenden Zertifikatspreise, sondern auch den damit in Verbindung stehenden höheren Strompreis doppelt belastet, da steigende Preise für CO2-Zertifikate auch die Strompreise steigen lassen. VIK-Hauptgeschäftsführer Christian Seyfert mahnt: „Weiter so stark steigende Zertifikatspreise werden mittelfristig den Carbon-Leakage-Effekt verstärken. Eine Verlagerung von Produktion, Know-how und Emissionen ins Ausland droht als unausweichliche Folge.“

Für die Unternehmen, die als Emittenten im System „verhaftet“ sind, bedeutet ein Anstieg auf inzwischen bereits über 60 Euro pro Tonne Kohlendioxid eine enorme Kostenbelastung und Liquiditätsentzug. Verstärkt wird dieser durch die hohen Strompreise, bei denen Deutschland ohnehin bereits Spitzenreiter ist. Seyfert sagt: „Beides belastet den Industriestandort Deutschland ungemein.“ Zudem würden so die finanziellen Spielräume der Unternehmen für klimafreundliche Investitionen im Zuge der industriellen Transformation zur Klimaneutralität schrumpfen, was niemand wünschen könne.

Der VIK begrüßt daher eine Prüfung der aktuellen Preisrallye durch die EU-Finanzaufsichtsbehörde ESMA. „Wir werden die Prüfverfahren der ESMA mit großem Interesse verfolgen und bewerten. Marktverzerrungen im Zertifikatehandel schaden dem Standort Deutschland und müssen daher verhindert werden“, so Seyfert.

Am vergangenen Donnerstag stieg der Day-Ahead-Preis für Strom auf 130,23 Euro pro Megawattstunde (MWh). Im Jahr 2016 lag er noch bei 60,06 Euro je MWh.

Der CO2-Zertifikatspreis im EU-ETS lag Anfang 2017 noch bei circa 5 Euro pro Tonne. Nun steht er bereits bei 63 Euro, Tendenz weiter steigend.